WAS IST DAS DENN?

Ich war neulich spazieren und habe etwas Merkwürdiges entdeckt. Was ist das?

Die Antwort weiß unser Mykologe (Pilzkundler) am Museum, Dr. Markus Scholler:

Das Bild zeigt den schon etwas älteren und bereits von Insekten oder Schnecken angefressenen Fruchtkörper eines Tintenfischpilzes (Clathrus archeri). Wie es zu dem deutschen Namen kam, erschließt sich aus diesen Fotos - hier ähnelt der Pilz doch sehr einem Tintenfisch.

Ursprünglich stammt dieser Pilz aus Australien und wurde, so wird spekuliert, über Schafwollimporte oder Soldaten nach Europa versehentlich eingeschleppt. Erstmalig wurde er in Europa 1914 in den Vogesen gefunden. Ein Nachweis aus der Region Karlsruhe ist ein Belegexemplar aus dem Jahr 1940 im Pilzherbarium des Museums.

Der Tintenfischpilz wächst bevorzugt auf sauren Böden an Wegrändern. Er wächst von Frühsommer bis Spätherbst. Der junge Fruchtkörper besteht aus einem weißgrauen sogenannten „Hexenei“ mit elastischer Hülle (s. Foto unten). Mit der Zeit reißt das „Hexenei“ auf. Binnen weniger Stunden (meist nachts) schieben sich die oben verwachsenen „Arme“ aus dem „Hexenei“ heraus. Bald darauf trennen diese sich in vier bis sechs „Einzelarme“ und richten sich waagerecht aus. Auf den kräftig roten, leicht brüchigen „Armen“ trägt der Tintenfischpilz dunkle Flecken seiner nach Aas riechenden Sporenmasse, auch Gleba genannt (s. Foto unten). Der Geruch zieht Fliegen an, die später die Pilzsporen verbreiten. Danach zerfällt der Fruchtkörper innerhalb weniger Tage.

Der Tintenfischpilz ist nicht giftig, aber wegen seines Geruchs ungenießbar. Berühren sollte man den Tintenfischpilz nicht, da der unangenehme Geruch lange anhält.

Wenn Sie mehr über den Tintenfischpilz erfahren möchten, der als Neuankömmling zu den Neomyceten zählt, freuen Sie sich auf die neue Große Landesausstellung „Neobiota: Natur im Wandel“, die ab 18. November 2021 zu sehen sein wird.