WAS IST DAS ÄLTESTE SAMMLUNGSSTÜCK IM MUSEUM? WIRD IMMER NOCH GESAMMELT?

Etwas, was mich an Museen fasziniert, sind die Unmengen an Objekten, die gesammelt wurden und werden. Was sind denn die ältesten Objekte, die ihr im Museum habt? (Also nicht erdgeschichtlich älteste, sondern was ist am längsten am Haus.) Bekommt ihr auch immer neue Objekte ins Museum? Und sammelt/findet ihr die selber in der Natur oder bekommt ihr sie geschenkt/gebracht oder kauft ihr alles ein?

Dies ist eine zentrale Frage für ein Museum und so hat sie auch unser Direktor, Prof. Dr. Norbert Lenz, gerne selbst beantwortet:

Keimzelle der Sammlungen des heutigen Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe (SMNK) war die Naturaliensammlung von Karoline Luise von Baden (1723-1783). Das älteste, vom 3. Februar 1751 stammende Dokument der Akten zu dieser Sammlung berichtet von einem Fossilfund, den Markgraf Karl Friedrich (1728-1811) der Sammlung seiner Gemahlin einverleiben wollte: ein ursprünglich wohl relativ vollständiges Mammut-Skelett, das am 2. August 1750 bei Efringen-Kirchen im Landkreis Lörrach gefunden wurde. In den SMNK-Sammlungen befindet sich noch heute ein Fragment eines Mammut-Stoßzahns, das Mitte des 18. Jahrhunderts aber noch als Stirnzapfen eines Einhorns gedeutet und deshalb mit der Aufschrift "UNICORNU FOSSILE", d. h. "fossiles Einhorn" versehen worden war (siehe unten, erstes Foto). Die erste wissenschaftliche Beschreibung des Wollhaarmammuts erfolgte erst 1799 durch den Göttinger Naturforscher Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840). Ob das als "UNICORNU FOSSILE" bezeichnete Objekt aber wirklich von dem Efringer Mammutfund stammt, ist umstritten. Noch mehr zu diesem schönen Stück finden Sie hier.

Aus dem Besitz von Karoline Luise ist auch ein Marmorschränkchen aus der Zeit um 1770 überliefert. Es enthält Gesteinsproben, deren jeweiliges Alter aber nicht genau bekannt ist. Bereits um 1753 begann per Erlass eine etwa 15 Jahre dauernde "Marmorsuche" im Herrschaftsgebiet des Markgrafen Karl Friedrich, um bei Bauvorhaben nicht von ausländischen Lieferungen abhängig zu sein. Von den infrage kommenden Gesteinen stellte die Karlsruher Marmorschleife kleine Musterplatten her. Markgräfin Karoline Luise verwendete diese Marmorproben zum europaweiten Mineralientausch mit verschiedenen Höfen und Gelehrten. Zahlreiche der badischen Marmore und Granite wurden dann für die Innendekoration des Schlosses verwendet.

Das von dem aus Rom stammenden "Steinkünstler" Francesco Vassali hergestellte "von Marmor und Granit eingelegte Kästlein" war einst im Roten Courzimmer des Karlsruher Schlosses aufgestellt. In den 12 gefächerten Schubladen des Steinschränkchens bewahrte die Markgräfin Karoline Luise von Baden ihre persönliche Sammlung an Musterproben badischer "Marmore" und "Granite" auf (siehe unten, zweites Foto).

Heute umfassen die Sammlungen des Naturkundemuseums insgesamt ca. 10 Millionen Objekte, womit sie zu den zehn umfangreichsten naturkundlichen Sammlungen in Deutschland gehören. Noch umfangreicher sind insbesondere die Sammlungen der großen Naturkundemuseen in Berlin und Frankfurt. Die Karlsruher Sammlungen werden auch weiterhin erweitert, aber nicht "wahllos", sondern auf der Grundlage eines Sammlungskonzepts, durch das Schwerpunkte gesetzt werden. Einige Bereiche werden gezielt erweitert, insbesondere wenn sie eine wichtige Rolle bei Forschungsprojekten des Museums spielen. Andere Bereiche werden zwar nicht gezielt ausgebaut, aber von Kuratorinnen und Kuratoren sowie technischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut, damit sie einschließlich der wichtigen Sammlungsdaten für die Nachwelt erhalten bleiben. Neue Sammlungsobjekte kommen auf den unterschiedlichsten Wegen ins Museum. Manche werden auch heute noch gezielt in der Natur gesammelt, selbstverständlich im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen. Die umfangreichsten Sammlungszuwächse erhalten wir aber durch Schenkungen, wenn z.B. ein Insektensammler in fortgeschrittenem Alter sicherstellen möchte, dass seine wertvolle Sammlung erhalten bleibt und nicht auf einem Flohmarkt endet. Es kommt aber auch vor, dass das Museum gezielt Sammlungsstücke erwirbt. So haben wir 2018 das ca. 150 Millionen Jahre alte Fossil eines fast vollständig erhaltenen Pterosauriers – also einer Flugechse – der Gattung Rhamphorhynchus gekauft (sogar mit Weichteilerhaltung), damit dieser wertvolle Fund nicht in einer Privatsammlung verschwindet, sondern für die Öffentlichkeit und die Forschung zugänglich bleibt. Um dies zu schaffen, hatten wir 2017 mit Erfolg einen Spendenaufruf verbreitet. Neben Mitteln des Landes Baden-Württemberg ermöglichten der Förderverein des Naturkundemuseums, aber auch private Einzelspenden den Erwerb des Rhamphorhynchus (siehe unten, drittes Foto).