VON WELCHEM TIER KÖNNTE DIESER KNOCHEN STAMMEN?

Sophie und Simon haben beim Buddeln im Garten einen 4cm großen Knochen gefunden. Sieht ein bisschen aus wie ein Kieferknochen. Können Sie mir sagen, von welchem Tier er stammen könnte?

Die Antwort weiß Johann Kirchhauser, der Leiter des Vivariums am Naturkundemuseum Karlsruhe:

Bei dem Knochen handelt es sich tatsächlich um einen Kieferknochen, vermutlich ist es ein Teil des Unterkiefers einer Ringelnatter (Natrix natrix).

Der Unterkiefer dieser Tiere weist eine Besonderheit auf: Die beiden Unterkieferhälften sind durch elastische Bänder miteinander verbunden und lassen sich unabhängig voneinander bewegen und aufdehnen. So können Ringelnattern auch Beutetiere, deren Durchschnitt deutlich größer ist als das Maul der Schlange, zum Beispiel Erdkröten, in einem Stück verschlingen. Im Kiefer auf dem Foto ist zu erkennen, dass die Zähne deutlich nach hinten gebogen sind. So lassen sich die Beutetiere gut packen, auch wenn sie sehr glitschig sind, wie zum Beispiel Fische.

Ringelnattern sind die häufigsten heimischen Schlangen und in Mittel- und Osteuropa weit verbreitet. Mit 85cm Länge sind die Weibchen meist etwas größer als die Männchen, die bis zu 70cm lang werden können. Sie sind an ihren beiden halbmondförmigen hellgelben bis orangefarbenen Nackenflecken gut von allen anderen heimischen Schlangen zu unterscheiden. Die Färbung ihrer weiteren Schuppen kann zwischen aschgrau, schieferblau, graubraun bis schwarz variieren.

Ringelnattern sind auf vielfältige Strukturen ihres Lebensraumes angewiesen uns leben meist in der Nähe von Gewässern. Sie ernähren sich von Amphibien und von Fischen, da sie auch gut schwimmen können. Ihre Beute erkennen sie optisch, wenn diese sich bewegt, oder sie nehmen deren Geruch durch Züngeln über das Jacobson´sche Organ wahr.

Für Menschen sind Ringelnattern vollkommen ungefährlich. Sie sind in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt und dürfen nicht gefangen, belästigt oder getötet werden.