WAS SIND DAS FÜR "FRÜCHTE"?

Ich war an der Nordsee im Urlaub und habe dort an Eichen sonderbare, rötliche "Früchte" entdeckt. Da mir so etwas hier in der Gegend noch nie aufgefallen ist, wollte ich fragen, ob es etwas Regionales ist und um was es sich handelt.

Die Antwort weiß Dr. Manfred Verhaagh, Insektenkundler am Museum, :

Bei den "Früchten" handelt es sich um Gallen, die von einem nur wenige Millimeter großen Insekt, der Eichen-Schwammgallwespe (Biorhiza pallida), hervorgerufen werden. Gallen sind geschwulstartige Pflanzengewebe, die als Reaktion der Pflanze auf das Einbringen von Wachstumshormonen durch Tiere entstehen. Gallwespen (Familie Cynipidae) geben diese Stoffe mit Hilfe ihres Legebohrers während der Ablage ihrer Eier in die Wirtpflanzen ab. Die Pflanzen entwickeln darauf ein spezielles Gewebe – die Galle – deren Inneres den heranwachsenden Larven als Nahrung dient.

Die Eichen-Schwammgallwespe bildet zwei verschiedene Generationen während des Jahres aus. Aus den im Bild gezeigten Sommergallen schlüpfen Weibchen und Männchen. Nach der Paarung sterben die Männchen, während sich die Weibchen in den Boden eingraben und an feinen Wurzeln der Eichen ihre Eier legen. An den Wurzeln entstehen dadurch kleine, wenige Millimeter große Gallen, aus denen im Winter ausschließlich ungeflügelte Weibchen schlüpfen. Diese kriechen an die Bodenoberfläche und klettern – auch bei Schneelage – die Eichenstämme empor, bis sie die Blattknospen erreichen. Diese stechen sie mit ihrem Legebohrer an und legen darin mehrere Eier ohne Befruchtung durch Männchen (Jungfernzeugung oder Parthenogenese). Aus der herangewachsenen oberirdischen Galle schlüpft dann im Sommer die neue sexuelle Generation.