WARUM HABEN NUTRIAS ORANGEFARBENE ZÄHNE?

Wir waren gestern in der Günther-Klotz-Anlage und haben die Nutrias beobachtet. Da habe ich mir folgende Frage gestellt: Warum haben Nutrias so orange Zähne und woher kommt das?

Die Antwort gibt der Wirbeltierkurator, Dr. Albrecht Manegold:

Beim Nutria (Myocastor coypus) sind, wie bei vielen anderen Nagetieren auch, die Vorderseiten der zu Nagezähnen umgestalteten Schneidezähne orangerot gefärbt, nicht aber die Rückseiten der Schneidezähne und auch nicht die Backenzähne. Denn nur im Zahnschmelz der Schneidezähne ist Eisen eingelagert. Das verursacht die Färbung. Da die Schneidezähne der Nagetiere nur auf ihrer Vorderseite mit Schmelz überzogen sind, ist auch nur die Vorderseite orange gefärbt. Die Vorderseite der Zähne ist durch die Eiseneinlagerung härter als die Rückseite, daher nutzt sie sich beim Nagen weniger schnell ab und die Zähne schärfen sich dauerhaft von selbst.

Aber nicht nur der Nutria hat orangefarbene Zähne, sondern auch andere Nagetiere wie der Biber (Castor fiber), das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) und die Wanderratte (Rattus norvegicus). Es gibt aber Ausnahmen: Das Capybara oder Wasserschwein (Hydrochoerus hydrochaeris), das größte lebende Nagetier der Welt, hat weiße Schneidezähne.

Leuchtend rote Eiseneinlagerungen findet man auch im Zahnschmelz von bestimmten Spitzmäusen, die deswegen auch als rotzähnige Spitzmäuse bezeichnet werden. Hierzu gehören z. B. Zwerg- (Sorex minutus), Wald- (Sorex araneus) und Wasserspitzmaus (Neomys fodiens).

Zahnschmelz mit Eiseneinlagerungen ist härter und widerstandsfähiger gegen Säuren als Zahnschmelz ohne solche Einlagerungen.

Es gibt noch andere Säugetiere mit gefärbten Zähnen, z. B. Ohrenrobben (Otariidae), zu denen der Seelöwe (Zalophus californicus) gehört. Hier ist aber ein Bakterienfilm auf den Zähnen die Ursache, der für das Tier ungefährlich ist.