WARUM WERFEN LÄRCHEN IM WINTER IHRE NADELN AB?

Jedes Jahr im Herbst frage ich mich, warum die Lärchen als Nadelbäume eigentlich ihre Nadeln abwerfen. Jetzt, wo die Nadeln im Frühling wieder sprießen, ist mir meine Frage wieder eingefallen. Warum ist das so?

Die Antwort weiß unser Botaniker, Dr. Josef Simmel:

Im Frühjahr treiben die Bäume endlich wieder aus und die Wälder ergrünen. Generell sind Wälder daher momentan ein beliebtes Ausflugsziel: Das Grün des jungen Laubs hat eine beruhigende Wirkung auf uns Menschen.

Den Austrieb kann man überwiegend bei Laubbäumen beobachten, denn Nadelbäume behalten ihre Nadeln auch im Winter, sie sind immergrün. Alle Nadelbäume? – Keineswegs! Bei einer Wintertour durch die Karlsruher Parks kann man mehrere Arten von Nadelbäumen entdecken, die ihr Nadelkleid abgeworfen haben. Neben der Europäischen Lärche und der Japanischen Lärche sind dies z. B. die Echte Sumpfzypresse – und auch der Ginkgo. Dieser ist zwar kein Nadelbaum im engeren Sinne und bildet auch keine Zapfen, er gehört jedoch in die gleiche Verwandtschaftsgruppe wie die Nadelbäume. Die drei letztgenannten sind von anderen Kontinenten stammende Arten, die ursprünglich in Japan, Nordamerika bzw. China vorkommen. Die Europäische Lärche hingegen ist auch in Deutschland heimisch; gepflanzt (und verwildert) im ganzen Bundesgebiet. Von Natur aus wächst sie allerdings im Hochgebirge.

Die Eigenschaft, sommergrün zu sein und damit ihre Nadeln im Herbst abzuwerfen, haben alle Lärchenarten. Dies ist eine Anpassung an besonders kaltes Klima und/oder besonders harsche Bedingungen in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten. In den Alpen wächst die Europäische Lärche, teils zusammen mit der Zirbelkiefer, bis hinauf in die subalpine Stufe (d. h. bis auf etwa 2.000 Meter), in der sibirischen Taiga bildet die Dahurische Lärche die am weitesten nach Norden vorrückenden Baumbestände, in Japan (Honshu) gedeiht die Japanische Lärche in winterkalten Mooren und Gebirgsschluchten.

Diese drei Beispiele eint also ein Element: lange Frostperioden im Winter. Durch den Frost ist über mehrere Monate kein Wasser verfügbar – die Lärchen würden quasi verdursten, denn über Blätter und Nadeln geben Bäume auch im Winter Wasser ab. Indem sie ihre Nadeln abwerfen, schützen sich Lärchen vor diesem Wasserverlust. Dafür stehen sie jeden Frühling wiederum vor der Herausforderung, ein komplettes Nadelkleid neu bilden zu müssen. Diese Kosten-Nutzen-Rechnung haben andere Nadelbäume wie z. B. Rot-Fichte und Wald-Kiefer anders gelöst: sie nehmen in Kauf, auch im Winter Wasser durch Verdunstung zu verlieren, können dafür aber weniger weit in die extremen Gebiete vordringen wie Lärchen. Ähnlich wie bei den Lärchen liegt der Fall bei unseren Laubbäumen. Über ihre großen, weichen Blätter würden sie ebenfalls viel Wasser verlieren, wovor sie sich durch den herbstlichen Laubfall schützen.