WARUM BLÜHT DIESE KOHLRABIPFLANZE?

Eine meiner Kohlrabipflanzen im Garten hat angefangen zu blühen. Wie kommt das?

Das sagt der Botaniker am Naturkundemuseum, Dr. Josef Simmel, dazu:

Die runden Knollen sind es, die den Kohlrabi für uns interessant machen. Es handelt sich dabei um den verdickten Stängel (= Spross) der Pflanze. Wer mit der Ernte zu lange wartet, bekommt holzige Sprossknollen, da der Stängel des Kohls sich für den Winter vorbereitet und dazu auch vermehrt Holzfasern einlagert. Und wer denkt, „Kohlrabi“ sei ein deutsches Wort, der ist auf dem Holzweg…

Zunächst aber ein wenig Hintergrund zur Pflanze selbst. Der Gemüse-Kohl (Brassica oleracea) kommt wildwachsend an den Meeresküsten des westlichen und südlichen Europas sowie Vorderasiens vor. In historischer Zeit wurden hochwachsende Formen kultiviert, um die Blätter als Gemüse zu ernten; also Stängelkohl. So kam auch das lateinische caulis (dt.: Stängel, Spross) als Name der Pflanze zu uns. Früh begann dann aber auch schon die Auslese und Züchtung weiterer Formen. Heute gibt es eine kaum überschaubare Vielfalt an Kohl-Varietäten und Sorten: Grünkohl, Palmkohl, Rosenkohl, Blumenkohl usw. Bei Grün- und Palmkohl werden die Blätter geerntet, beim Rosenkohl die knospenartigen Seitentriebe, beim Blumenkohl der verkürzte, kompakte Blütenstand. Und beim Kohlrabi eben die Knolle. Bei kaum einer anderen Kulturpflanze hat die züchterische Auslese eine solche Fülle verschiedener Wuchsformen und Nutzungen ergeben!

Die Knolle gibt dem Kohlrabi dann auch seinen Namen, verschliffen aus den lateinischen Begriffen caulis (dt.: Stängel, Spross) und rapum (dt.: Knolle, Rübe).

In der Knolle speichert die zweijährige Pflanze zunächst Nährstoffe, im zweiten Jahr wird dann ein bis ca. 2 m hoher Blütentrieb gebildet, aus dem die Samen für die nächste Generation entstehen. In seltenen Fällen läuft diese Entwicklung aber bereits im ersten Jahr ab. Dies hängt damit zusammen, dass die Pflanze die Winterkälte benötigt, um zum Auswachsen angeregt zu werden, was deshalb eben erst nach dem Winter, also im zweiten Jahr passiert. Gibt es nun nach der Aussaat bzw. nach der Pflanzung über längere Zeit kalte Temperaturen, kann dies zum Überspringen der Knollenbildung und dem direkten Treiben eines Blütenstands führen. Das erste Jahr wird also quasi „übersprungen“. Dies war vermutlich in diesem kalten Frühling und den späten Nachtfrösten zumindest bei der Pflanze auf dem Foto der Fall.

Alle Teile der Pflanze bleiben auch weiterhin essbar. Die Blüten schmecken allerdings recht intensiv und scharf. Sie zeigen mit ihren vier Blütenblättern, dass der Kohlrabi, so wie auch Senf, Raps, Meerrettich und viele weitere Kulturpflanzen, zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) gehört.