WIEVIEL FUTTER FRESSEN ALLE TIERE IM MUSEUM IN EINER WOCHE?

Meine Tochter findet die Mahlzeit!-Filme sehr spannend. Jetzt hat sich daraus ihre nächste Frage ergeben: In den Videos sieht man, wie viel jedes einzelne Tier so zu essen bekommt. Bei der Anzahl an Tieren, die Sie im Museum zeigen, kommt da bestimmt eine ganze Menge zusammen. Wie viel fressen denn alle Tiere zusammengerechnet pro Tag? Oder pro Woche, denn vermutlich wird nicht jedes Tier täglich gefüttert, oder?

Die Antwort zu finden, war gar nicht so leicht. Wissen Sie genau, wieviel Essen die ganze Familie in einer Woche vertilgt? Genauso schwierig ist das im Vivarium. Da sind zum einen sehr viele verschiedene Tiere mit ganz unterschiedlichen Fressgewohnheiten: Die Sepien im Saal „Klima und Lebensräume“ haben zweimal am Tag Hunger, die beiden großen Tigerpythons im Keller bekommen nur etwa alle sechs Wochen eine Nahrungsportion. Und dann reicht das Nahrungsspektrum von pflanzlich bis tierisch, von winzig klein bis kaninchengroß, von tiefgekühlt bis lebend.

Trotzdem haben wir gemeinsam mit den Tierpflegern und dem Vivariumsvolontär einmal zusammengezählt, was im Laufe einer Woche alles so verfüttert wird:

Fangen wir zunächst mit der pflanzlichen Nahrung an!

Pro Woche werden ca. 26 Köpfe Romanasalat benötigt – in Bioqualität, um keine Giftstoffe ins Becken einzuführen, die auch die Tiere gefährden würden. Die werden vor allem von den Doktor- und Kaninchenfischen gefressen, die vorwiegend Vegetarier sind. Die Fische im großen Haibecken bekommen täglich 2 ganze Salatköpfe, ein weiterer Salatkopf wird auf andere Aquarien verteilt, und dazu werden für zahlreiche Reptilien pro Woche weitere 3–5 Salatköpfe eingeplant.

Etwas speziell sind einige unserer Insekten in der Ausstellung. So fressen die Farnschrecken – wie der Name schon sagt – nur Farnwedel: 8 Farnwedel sind das in der Woche! Die Schwarze Riesenstabschrecke mag nur Liguster – 10 Äste pro Woche (Foto), andere Stabschrecken und die Blattschneiderameisen fressen Brombeerblätter. Von den Brombeeren werden wöchentlich ca. 30 lange Ranken benötigt (Foto). Dieses Futter lässt sich nicht kaufen, es wird an Waldrändern in der freien Natur wöchentlich frisch geschnitten.

 

Aber das ist noch längst nicht alles: Einmal pro Woche erhält das Vivarium eine Bananenkiste voller Obst und Gemüse: 4-5 Gurken, 6-8 Zucchini, 3 Äpfel, 10 Karotten, 1 Bund Petersilie, 2 Bund Rucola, 1 Eisbergsalat, 1 Chicorée, 5-6 Bananen. Alles wird im Laufe der Woche in kleinen Portionen zubereitet und an viele der Tiere verfüttert: die Bananen z.B. an die Rosenkäfer oder ein Stückchen Gurke pro Woche an den Blauaugen-Harnischwels, der ansonsten eher die Algen in den Aquarien frisst. Zusammensetzung und Mengen können aber auch variieren, denn Abwechslung ist auch bei der Fütterung der Tiere wichtig, damit sie sich wohlfühlen.

Und dann sind da noch die kleinen und großen Fleischfresser des Hauses.

Hier schauen wir uns erst einmal an, was unsere Aquarienbewohner fressen – die im Salz- und die im Süßwasser:

Eine Futtermenge von etwa 6 kg Seelachsfilet, 24 Felsenaustern, 4 kg Miesmuscheln, 1,6 kg Süßwassergarnelen in der Schale, 4 kg geschälten Süßwassergarnelen, 900 g Muschelfleisch sowie 4 kg Salzwassergarnelen wird tiefgefroren eingekauft. – insgesamt etwa 20 kg. Das reicht dann dem Vivarium für etwa 6 Wochen, was einer Menge von 3,3 kg pro Woche entspricht.

Doch diese Meeresfrüchte sind für unsere Nachzuchten, die Quallen und eine Vielzahl unserer Fische viel zu groß. Daher werden im Meerwasserbereich große Mengen an Artemien (Salinenkrebschen), Mysis (Schwebegarnelen) und Krill verfüttert. Der Einfachheit halber gibt es dieses Futter tiefgefroren in Platten zu kaufen. Eine ganze solche Platte (Foto) wird täglich allein im großen Korallenbecken verfüttert. In kleine Becken werden die winzigen Tiere aufgetaut und dann als „ordentlicher Schuss“, „eine Prise“ oder „ eine Pinzette voll“ zugegeben. Um den Tieren die nötige Abwechslung zu bieten, wird die Zusammensetzung dieser drei Organismenarten immer wieder variiert.

Im Süßwasserbereich werden zu diesem Zweck lebende Mückenlarven bestellt und dann verfüttert (Foto). Sie sind die Hauptnahrung z.B. für den Gelbrandkäfer in der Dauerausstellung zu den Insekten.

Auch Felsengarnelen und größere Schwebegarnelen (Foto) werden zweimal wöchentlich lebend geliefert und werden in Becken gehalten, bis sie verfüttert werden. Die Felsengarnelen aus der Ostsee gehören z.B. zu der Leibspeise unserer Sepien.

Doch selbst diese kleinen Tiere sind für unsere Nachzuchten und besonders für unsere wunderschönen Quallen noch zu groß. Aus diesem Grunde lassen wir Artemien (Salinenkrebse) bei uns aus Dauereiern schlüpfen und langsam heranwachsen, wie man an diesen Aquarien erkennt. Darauf ist immer das Datum des Ansatzes vermerkt. Die Tiere werden jeden Tag etwas größer und so haben wir immer das passende Futter für die verschiedenen Größenordnungen an Nachzuchten. Und besonders die wenige Tage alten Artemien sind das Hauptfutter der Quallen.

Lebende Insekten werden hauptsächlich an die verschiedenen Amphibien und Reptilien verfüttert: 8500 Heimchen, 250 Steppengrillen, 200 unterschiedlich große Wüstenheuschrecken und 8000 ml Mini-Mehlwürmer (ja, die werden tatsächlich in ml verkauft – wer würde die schon zählen wollen?)– diese dienen allerdings auch den anderen Futterinsekten als Nahrung, denn bis zu ihrer Verfütterung werden sie in kleinen Terrarien am Leben gehalten (s. Fotos).

In der Sommerzeit kennt jeder die Fruchtfliegen, die wie aus dem Nichts in den heimischen Obstkörben auftauchen. Im Vivarium werden sie aus Zuchtansätzen extra gezüchtet (Foto) und dann z.B. an die Pfeilgiftfrösche verfüttert. Gleiches gilt für die sogenannten „Terflies“ – flügellose und fast blinde Stubenfliegen, die ebenfalls aus Zuchtansätzen gezogen (Foto) und dann an die Anolis oder Spinnen verfüttert werden.

Schnecken sind die Leibspeise der Krokodiltejus. Sie werden auch meist tiefgekühlt gekauft (Foto). Unsere jungen, neuen Krokodiltejus erhalten nun erst einmal kleine Exemplare von ca. 2cm Größe – davon gibt es zweimal in der Woche jeweils 10 Schnecken und 1-2 Garnelen pro Tier.

Unsere großen Schlangen und Reptilien werden deutlich seltener gefüttert als die kleinen, bekommen dann aber viel größere Portionen von toten Mäusen oder Jungratten. Rekordhalter sind die beiden großen Tigerpythons in unserem Keller, die jeweils mit 4-8 Kaninchen oder 5 Hühnern gefüttert werden – das allerdings nur alle sechs Wochen.

Und zum Schluss gibt es noch eine Besonderheit bei den Korallen: In der Natur filtern die Korallenpolypen pflanzliches und tierisches Plankton aus dem Meereswasser. Diese Art der Fütterung ist in Aquarien nicht machbar, da zum einen die Beschaffung von Plankton im Binnenland nicht möglich ist, und zum anderen das Plankton durch die Wasserfilter wieder herausgefiltert würde. Dennoch ist die Haltung von bestimmten tropischen Korallen in Aquarien möglich: Diese Korallen bilden mit winzigen einzelligen Algen, sogenannten Zooxanthellen, eine Lebensgemeinschaft (Symbiose). Die Zooxanthellen betreiben Fotosynthese. Deren Endprodukte, verschiedene Zucker, dienen auch den Korallen als Nahrung. Alles, was dafür benötigt wird, ist ausreichendes Licht in der richtigen Wellenlänge. Allein im großen Korallenbecken sind daher 13.000 Watt Lichtleistung verbaut, die so das Leben der über 100 verschiedenen Korallenarten möglich machen.