WER HAT DENN HIER GEFRESSEN?

Ich habe folgende Fraßspuren an einem Rosenbusch entdeckt. Gibt es bei uns etwa auch Blattschneiderameisen?

Die Antwort auf diese Frage gibt Dr. Manfred Verhaagh, Insektenkundler am Museum:

Man könnte beim Anblick dieser Blätter fast auf den Gedanken kommen, tropische Blattschneiderameisen seien hier am Werk gewesen. Aber es gibt auch einheimische Insekten, die diesen Anblick von Rosenblättern hervorrufen können: Blattschneiderbienen.

23 einheimische Arten umfasst die Gattung Megachile, und die meisten von ihnen betätigen sich für ihren Nachwuchs als Blattschneider. Mit den ovalen bis rundlichen Blattstücken verschiedener Pflanzen, die sie herausgeschnitten haben, kleiden die Weibchen ihre Brutzellen aus, von denen bis zu 15 Stück hintereinander in einer Niströhre angelegt werden können. Ihre Niströhren legen sie, je nach Bienenart, in bereits vorhandene Fraßgänge in morschem Holz, in hohle Pflanzenstängel, Hohlräume zwischen oder unter Steinen aber auch in selbstgegrabenen Gänge im Erdreich an. Auch in Nisthilfen aus Holz oder Schilfstängeln bauen Blattschneiderbienen ihre Nester.

Die Blattauskleidung der Brutzellen verhindert das Austrocknen des Futtervorrats für die Larven, denn der besteht neben Blütenpollen auch aus viel flüssigem Nektar. Den Eingang zur Niströhre verschließt das Weibchen zum Schluss durch einen Pfropfen aus zahlreichen rundlichen Blattstücken.