KÖNNTE ES SICH BEI DIESEN KLUMPEN UM BEZOARSTEINE HANDELN?

Beim Renovieren eines Gehöftes in Rottweil wurden auf dem Dachboden drei merkwürdige rundliche Klumpen in einer Schachtel gefunden. Der einstige Besitzer hatte seinerzeit offensichtlich eine Vorliebe für alles Skurrile, denn er sammelte tierische Glasaugen in allen Farben, Formen und Größen (möglicherweise für Präparate) und in einer dieser Boxen lagen drei „Steine“. Der längliche mit der Metallöse misst 2,5 cm x 1 cm, die größere Kugel 1 cm x 1 cm und die kleinere etwa 0,6 cm x 0,6 cm. Die beiden Kugeln wirken oberflächlich ziemlich porös und zeigen Ablagerungen, also einen mehrschichtigen Aufbau.

Der Geologe Dr. Eduard Harms gibt die Antwort:

Den Fotos nach zu urteilen, könnte es sich tatsächlich um Bezoarsteine handeln, d. h. um eine Sonderform von Magen- oder Darmsteinen. Diese entstehen häufig in den Verdauungsorganen von Wiederkäuern. Verschluckte Haare oder Pflanzenfasern können dort nach und nach immer weiter verfilzen und von einer harten Karbonat- oder Phosphatkruste überzogen werden. Daher sind Bezoarsteine schichtartig aufgebaut.

Bezoarsteinen wurden früher Heilkräfte zugeschrieben. Angeblich halfen sie gegen Gicht und Bauchschmerzen und galten als harn- und schweißtreibend. Sie sollten sogar nützlich beim Biss giftiger Tiere oder bei Vergiftungen durch Pflanzen und Pilze sein. Besonders große Bezoarsteine genossen früher einen so hohen Stellenwert, dass Herrscher und Adelspersonen sie durch Goldschmiede aufwendig verzieren ließen.

Übrigens: Wer sich Bezoarsteine im Original anschauen möchte, kann dies in der Dauerausstellung „Im Reich der Mineralien“ (Mineralien, Schwarzwald, Vogesen, Rheingold, Bergbau, Mineralien in Organismen, künstliche Mineralien) tun, sobald das Naturkundemuseum wieder geöffnet ist. Informationen hierzu finden Sie auf Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe.