WAS KÖNNEN DAS WOHL FÜR "GESELLEN" SEIN?

Das Gebilde auf dem Foto hängt mit einem Durchmesser von ca. 1 cm an unserem Küchenfenster.

Die Tiere auf dem Foto hat der Käferexperte des Museums, Dr. Alexander Riedel, bestimmt:

Bei dem Gebilde handelt es sich um die Nymphen (Larven), der Marmorierten Baumwanze (Halyomorpha halys), die gerade aus ihren Eiern schlüpfen.

Ausgewachsen sind diese Baumwanzen mit 12 bis 17mm Körperlänge relativ groß. Auffällig ist die schwarze-weiße Fleckenzeichnung seitlich am Hinterleib (s. Foto unten).

Diese Wanzen überwintern als Erwachsene. Ab dem Frühling legen die Weibchen ihre Gelege meist an der Blattunterseite  - oder wie hier auf dem Bild - auch an anderen glatten Oberflächen ab. Die jungen Nymphen schlüpfen nach wenigen Tagen und durchlaufen dann fünf Stadien, bis sie sich ein letztes Mal zum erwachsenen Tier (Imago) häuten. So wachsen im Laufe eines Jahres mehrere Generationen an Baumwanzen heran.

Ursprünglich beheimatet ist diese Wanzenart im Osten Asiens. 2004 wurde sie für Europa erstmals in der Schweiz um Zürich nachgewiesen und hat sich seitdem schnell auch in Deutschland und Italien ausgebreitet. Vermutlich kam und kommt sie mit Pflanzenimporten und versteckt in anderen Waren oder den Transportkisten aus Ostasien zu uns.

Wie andere Wanzenarten auch, saugt die Marmorierte Baumwanze an Pflanzen – und dabei ist sie nicht wählerisch. Dadurch konnte sie auch hier schnell ausreichend Nahrung finden. Sie bevorzugt Rosengewächse, wozu auch viele unserer Obstbäume gehören. Da sie nicht nur an den Blättern, sondern auch an den Früchten saugen, fügen sie damit mittlerweile Obstplantagen erheblichen wirtschaftlichen Schaden zu. 

Da die Marmorierte Baumwanze ursprünglich bei uns nicht vorkam, gehört sie zu den gebietsfremden Arten, den sogenannten Neobiota (neue Lebewesen). Mehr zu dem Thema können Sie ab 18. November 2021 in der Großen Landesausstellung „Neobiota – Natur im Wandel“ am Naturkundemuseum Karlsruhe erfahren.